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6.06.2008 - 8.06.2008

Divignano (I) 
 
Divignano (Piemont, Italien)
Lehrgang mit Doshu Kenjiro Yoshigasaki

Vom 6. bis 9. Juni 2008 fand in Divignano der jährliche große Aikidolehrgang mit Doshu Yoshigasaki statt. Wie immer wurde das Wochenende vom Dojo Ronin Novara organisiert, insbesondere von Marisa und Moreno, und vom Solidaritätsfond Aikido 2008 finanziert.

Aus Deutschland fuhren M.K. aus Stuttgart, R.E. aus Haigerloch und B.B. aus Hechingen zum Seminar. Da das Lehrertraining schon am Freitagmorgen beginnen sollte, starteten sie am Donnerstagabend und machten im Vorarlberg bei S. M. Station, so dass sie tags darauf in aller Frühe zu viert aufbrechen konnten. Der San Bernardino-Tunnel war geschlossen, so ging es über die alte Passstraße, in der die Wolken hingen, und die Schneefelder noch mit Macht den Frühling bremsten.
Pünktlich zehn Minuten vor Lehrgangsbeginn traf man auf dem Gelände von Natura docet in Divignano ein.

Das Hauptthema dieses Lehrgangs war wieder HANMI. Das zeigte sich schon im Lehrertraining bei den Tsuzukiwaza 31 (Bokken 2 gegen Bokken) und bei Nr. 32 (Bokken Kumitachi). Bei dieser Taigi wurde in der ersten Technik sehr klar, dass Aikido ein BUDO ist, keine „martial art“ und natürlich erst recht keine Selbstverteidigung. Atemübungen und Misogi mit dem Bokken wurden konzentriert geübt, indem die 4. Dan diese als Lehrübung anleiten mussten. Nach ca. 4 Stunden nahte die Mittagspause, es gab reichlich wohlschmeckende Pasta.

Zum Kindertraining am späten Nachmittag waren fast ebenso viele Betreuer wie Kinder auf der Matte.

Danach ging es weiter mit Aikido für alle. Es folgten Tsuzukiwaza 2 und 11 (katate ryotedori und katatedori katatekosadori). Bei Nr. 11 scheint es schwierig zu sein, sich die korrekten Wechsel zwischen links und rechts in der Abfolge zu merken.

Am nächsten Morgen ging es weiter mit zwei Stunden Aikido für alle. Das Wetter war sehr unbeständig, tagsüber wechselten sich heftigste Regengüsse mit brennend heisser Sonnenstrahlung ab, zwischendurch war es bedeckt und nachts recht frisch, was im Monat Juni in Divignano eine Wohltat ist. Der Doshu sprach dann auch über Luftfeuchtigkeit, Bauphysik, Putztechniken und geeignete Umgebungen für Aikido und Misogi.
Es folgte eine Pause von wenig mehr als einer Stunde. Dies war als Reaktion auf ein Mittagessen beschlossen worden, das bei einem Lehrgang mehrere Woche vorher in einer alten Stadt am Mittelmeer aus dem Ruder gelaufen war und die damaligen Teilnehmer am frischen Weiterüben nach der Mittagspause gehindert hatte. Die eine Stunde Pause war aber offensichtlich zu kurz. Auch hier kam man mit gefülltem Magen auf die Matte zurück.

Geübt wurde jetzt zwei mal zwei Stunden. Die Tsuzukiwaza 12 (ryotemochi), 9 (shomen uchi), 18 (ushiro ryokatodori) und 7 (tsuki und keri) standen auf dem Programm. Alle Techniken wurden unter dem Gesichtspunkt hanmi und gyaku hanmi studiert, mit sehr interessanten Ergebnissen. Die Art und die Dynamik der Bewegungen hängen davon ab, ob hanmi oder gyaku hanmi stärker betont werden. Doshu Yoshigasaki stellte dem bekannten Dualismus ein dreigeteiltes Konzept von schlecht, weder gut noch schlecht, sowie gut entgegen.

Am Ende des Tages trat unser Freund Luciano Monnini aus Valdarno zur Okuden-Prüfung an, die er sicher und überzeugend meisterte.

Sensei Yoshigasaki ging kurz auf das Leistungs- und Bewertungslevel bei Prüfungen ein. Seine Kernaussage war, dass es den perfekten Aikidoka nicht gibt, aber jeder seine Qualitäten für die Gemeinschaft einbringt. Entsprechend möchte er, dass die Lehrer in den Dojos sich gut um die Anfänger kümmern und die Shihan den Fortgeschrittenen die fehlenden Fertigkeiten vermitteln.

Am Sonntagmorgen begann der Tag mit dem Lehrertraining. Wir übten viele Varianten von hanmi und gyaku hanmi sowie Kengi 1 und Kengi 2, und davon besonders die Schläge mit dem Bokken auf 13. Mit Hilfe von gyaku hanmi kann man dort sehr präzise arbeiten.

Im gemeinsamen Training mit allen ging es zunächst wieder um die Newtonsche Philosophie, die mit den Begriffen Punkt und Kraft arbeitet, für feste Körper ganz nützlich ist, aber im Aikido zu völlig verqueren Techniken führt. Interessant ist es, dass es im Englischen keine Unterscheidungen gibt für sich bewegen (move, bouger, muovere) und sich fortbewegen, den Platz wechseln (move, déplacer, spostare). So beschränkt die Sprache die möglichen Konzepte. Was kommt zuerst? Läuft man zuerst los, bewegt seinen Körper fort, oder bewegt sich zuerst der Körper auf der Stelle und dann weiter im Raum? Und was bewegt den Körper? Ist es der Geist?

Das sehr interessante Seminar mit vielen Teilnehmern aus den verschiedensten Dojos ging dann mit Tsuzukiwaza 1 zu Ende, die noch einmal die Gelegenheit zu dynamischen Bewegungen bot.

Marisa dankte am Ende des Lehrgangs in einer kleinen Ansprache allen Teilnehmern für ihr Kommen, die gute Zusammenarbeit bei der Organisation und auf der Matte, wünschte allen eine angenehme Heimreise und ein baldiges fröhliches Wiedersehen.

Nach einem Zwischenstopp in der Schweiz, wo 20 Orchideen auf ihre wöchentliche Dusche warteten, konnten wir am späten Nachmittag S.M. in Ammerlügen absetzen und waren um 21 Uhr wieder im Zollernalbkreis.

Divignano war wirklich diese Reise wert.

 

Fotos: B. B.




 



  

2008-06-09