Internationales Seminar
mit Doshu Kenjiro Yoshigasaki
vom 12. - 14.10.2007 in Balerna (Südschweiz)Es ist gar
nicht leicht in Worten auszudrücken, was einen während
eines Seminars mit unserem Doshu im Innersten berührt, aber es
ist so, dass kein Konzept, kein Lächeln, kein Blick des Meister
unbemerkt bleibt und jeder nimmt den wertvollen Unterricht für
sich auf wie er kann.
Am vergangenen Wochenende fand in Balerna, begünstigt durch das
ausgesprochen milde Wetter, der 4. Internationale
Aikido-Lehrgang statt, veranstaltet vom örtlichen Aikidoverein
Associazione Ticinese Ki Aikido. Es waren wie immer zahlreiche
Freunde gekommen und ebenso viele neue Gesichter von überall
her.

Ich kann nicht sagen ob es ein Sonnenstrahl war, der auf
sein Gesicht fiel, oder ob es sein natürlicher "freundlicher
sonniger Blick" war, der uns am Freitagnachmittag bei seiner
Ankunft in Balerna wohlwollend traf. Noch nie vorher habe ich
so einen leuchtenden und intensiven Blick gesehen, es war ein
Blick von einer einzigartigen Fülle.
Vorspiel zu der Fülle des gesamten Lehrgangs: Während des
alljährlichen Lehrgangs auf den Matten in Balerna ware viele
glücklich, wieder zusammen zu sein, glücklich, üben zu können,
glücklich die freundschaftlich Bande weiter zu knüpfen,
glücklich, sich wieder zu sehen.
Der Titel dieser Beziehung spiegelt teilweise die Ausführungen
von Sensei Yoshigasaki während des intensiven zweitägigen
Seminars wider, viele andere sind mir entfallen... Aikido
ist Meditation, Aikido ist Imagination (Vorstellung): D.h.
vielleicht die Vorbereitung auf eine Aktion oder auf die
Vorstellung einer Aktion; auch in der Ausführung der Techniken
des Aikido, im Respekt vor den überlieferten Lehren, der
Meister ermuntert dazu, sich nicht an festgefahrene
Einstellungen zu klammern, sondern durch die Macht der
Vorstellung die Formen zu entwickeln, die Kreativität zu
entfalten (so habe ich jedenfalls seine Ausführungen verstanden
...). Aikido ist Leben, Aikido ist kultureller Reichtum:
Das kann ich leichter verstehen.
Ein jeder kann auf der Grundlage seiner eigenen persönlichen
Entwicklung auch mittels Aikido viele wichtige Aspekte für
seinen Lebensweg und seine Existenz erfassen. Die Werte, die im
Aikido vermittelt werden, stellen sicherlich einen grossen
kulturellen Reichtum dar, im Gegensatz zu der Wertearmut, die
durch die materialistische Lebensweise, insbesondere in unseren
westlichen Gesellschaften, bestimmt ist. Es liegt bei uns, an
jedem Einzelnen, diese Werte zu leben und umzusetzen. auch wenn
das nicht immer einfach ist. Aikido ist Freiheit, Aikido
ist Verantwortung: Im täglichen Leben gehören diese beiden
Prinzipien zusammen, das eine ist ohne das andere nicht
denkbar. Genauso ist es bei den Aikidotechniken, auch hier sind
sie beide vorhanden. Auf der Matte in unverantwortlicher Weise
handeln bedeutet nicht Kraft und Vermögen, ganz im Gegenteil.
Wer im Aikido mit Verantwortung trainiert ist innerlich frei
und vielleicht benutzt er auch seine Vorstellungskraft.
Aikido ist Freude, Fülle und Frieden: Das ist es was ich
vor, während und nach dem Lehrgang verspüre; das verspüre ich
bei wahrer Freundschaft, Respekt, Kultur, richtigem Leben und
... Liebe. So sollte die menschliche Existenz hier auf der Erde
sein! Der Lehrgang begann wie geplant am Freitagabend, nach
einem kurzen Abstecher nach Sagno, um mit Anna vom Ul Furmighin
die letzten Detailfragen des Essens und der Unterkunft zu
besprechen, denn dort war der grösste Teil der Teilnehmer
untergebracht, die in der Schweiz übernachten wollten. Sensei
ließ es sich nicht nehmen, einen köstlichen Käse aus dem Valle
di Muggio zu probieren, eine ungewohnte Zwischenmahlzeit, für
uns hier im Tessin etwas ganz Normales. Etwa 40 Aikidoka
waren am Freitagabend schon auf der Matte, geübt wurde intensiv
die 1. Tsuzukiwaza, es gab reichlich Platz und alle konnten zu
ihrer Zufriedenheit miteinander üben. Nach dem Training wurden
wir von Manfre in der Grotto Mulino erwartet, um ein
wohlschmeckendes Käsefondue zu genießen. Eine prelibatezza!
Eine sehr persönliche und gemütliche Atmosphäre am Kaminfeuer,
es war wie in einer anderen Zeit. Am Samstagmorgen wurde
wieder "gearbeitet". Es kamen nochmals eine ganze Reihe
Aikidoka dazu, etwa 90 Personen fanden sich auf der Matte, um
den Anleitungen des Doshu zu folgen. Thema war die 2.
Tsuzukiwaza. Die Stimmung war besonders "geladen". Durch die
grossen Fenster fluteten die Sonnenstrahlen ins Dojo.
In der Mittagspause gingen etwa 60 hungrige Aikidoka zu Fuss ins Ristorante Federale, wo Mme. Schuler ein raffiniertes Essen mit
mehreren Gängen sorgfältig für sie zubereitet hatte.
 Am
Nachmittag tobten dann etwa 20 "junge Samurai" auf der Matte
und trainierten unter dem aufmerksamen Blick des Meisters zur
Freude ihrer Eltern, Großeltern, Geschwister und Freunde, die
sich auf der Bühne der Turnhalle drängten, um die Kinder bei
ihren Heldentaten zu unterstützen. Die Kinder sind ein weiterer
Sonnenstrahl in unserem Leben! Sie bringen sehr viel Energie
ins Dojo. Im zweiten Teil des Nachmittags behandelte der
Doshu die 3. Tsuzukiwaza.
Am Ende der Trainingseinheit stellte sich unser Freund Valdo
Manna aus Bologna der Prüfung zum 3. Dan Aikido, die er mit
Bravour ablegte. Mit viel Biss und Dynamik präsentierte er sich
seinen Uke (Angreifern). An ihn und seine Uke gehen die
Glückwünsche für die schöne Prüfung. 63 Teilnehmer fuhren
dann schließlich nach Sagno hoch zu Anna, die uns schon mit dem
Abendessen erwartete. Reichlich Hausmacher Polenta, gemahlen in
der antiken Mühle von Bruzella gleich oberhalb von Sagno , mit
schmackhaften Kalbsrouladen (für die Vegetarier gab es
Auberginen in Thunfischsosse und eine Minestrone aus Kastanien
und Pilzen, etwas ganz Leckeres!), machten den feinen Gaumen
Freude; zum Nachtisch gab es noch einen guten Kuchen nach Art
des Hauses. Am Sonntagmorgen fanden sich wieder ca. 60
Aikidoka auf der Matte um weiter zu trainieren. Die erste
Übungseinheit mit Bokken und Jo galt den Danträgern und
Lehrern, im Training für alle stand die 4. Tsuzukiwaza
auf dem Programm, die für die Unterzeichnende eine harte Nuss
war :-) Die Zeit vergeht schnell, das ist bekannt, aber
beim Aikidotraining vergeht sie noch schneller, und so ging der
Lehrgang dann doch zu Ende, ein intensiver Lehrgang voller
Energie und Licht, Schönheit und Harmonie. Beim Verabschieden
kommt dann immer etwas Melancholie auf aber glücklicherweise
ist es bis zum nächsten Treffen ja nicht so lang. Etwa 20
Teilnehmer durften dann mit dem Doshu noch etwas zusammen
bleiben, in der Grotto Moulino gab es ein ausgezeichnetes
Risotto mit Luganiga (Hausmacher Würste), sie konnten ihre
Freundschaft noch einmal pflegen.
Die milde Sonne war dann die letzte Umarmung ehe jeder wieder
nach Hause aufbrach.
 Im Namen des Vereins Associazione
Ticinese Ki Aikido möchte ich Harriet Erkelens für das
wunderbare Blumengesteck danken (Ausdruck von grosser
Kreativität und Vorstellungsvermögen), Govert Erkelens vom
Studio QURE aus Stabio dafür, dass er diese Ausschmückung
stiftete, die dem Dojo eine besondere Feinheit verlieh. Ein
herzlicher Dank geht auch an Alain El Alaily für die vielen
schönen Fotos, die er auf dem Lehrgang schoss, ein Dankeschön
auch an die Gemeinde Balerna und die Schule, die uns die Halle
und die Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt haben. Vielen
Dank auch an alle die beim Auf- und Abbau der grossen
Mattenfläche geholfen haben und gutem Gelingen des Seminars
beigetragen haben. Ich werde den Lehrgang nicht vergessen, er
ist in meinem Herzen und meinem Gedächtnis eingegraben. Vielen
Dank an Sensei Yoshigasaki und an alle die uns mit ihrer
Anwesenheit beehrt haben. Bis bald
Yvette |